Stadthaus an der Mühlenstraße, ehem. Jesuitenkolleg

 Erster Standort einer Sternwarte – Düsseldorf Mühlenstraße – seit ca. 1710

links die Andreaskirche, rechts die Rechtsakademie mit der Sternwarte auf dem Dach
Mühlenstraße um 1850, vorne links Türme und Mausoleum der Andreaskirche, dahinter Stadthaus mit Sternwarte, rechts Statthalterpalais, dahinter Turm der Lambertuskirche, Lithographie August Brögelmann

 

Mühlenplatz (heute Grabbeplatz) , Stadthaus an der Mühlenstraße, Franz Bernhard Custodis um 1800

 

 

 

 

Das Jesuitenkloster, dessen Gebäude ca. 1710 gebaut wurde, bot mit der „Sternwarte“ im Dachaufbau die erste Möglichkeit astronomischer Beobachtungen.
Der Jesuitenpater Ferdinand Orban (1655 – 1732), in Düsseldorf als Beichtvater bei Kurfürst Johann Wilhelm 1703–1716 („Jan Wellem“), nutzte auch die im Obergeschoss eingerichtete Sternwarte.
Mit Aufhebung des Jesuitenordens 1773 geht des Gebäudes in staatlichen Besitz über, anschließend beginnt hier mit dem Astronomen Johann Friedrich Benzenberg die erste wissenschaftliche astronomische Forschung in Düsseldorf.

Johann Friedrich Benzenberg
Johann Friedrich Benzenberg 1777 – 1846

Johann Friedrich Benzenberg beobachtet also vom Dach des Stadthauses aus, dem ehemaligen Jesuitenkolleg (neben den beiden Türmen der Jesuitenkirche St. Andreas). So schreibt er 1805 „Ich lebe hier in angenehmen Verhältnissen. Meine Wohnung ist auf der Sternwarte und aus meinem Schreibcabinet, das unmittelbar unter der Plattform ist, übersehe ich die Stadt, den Rhein und die ganze umliegende Gegend auf mehrere Stunden im Umkreis“.

Düsseldorf, Andreaskirche, Sternwarte rechts im Bild
Altes Regierungs-gebäude an der Mühlenstraße mit Sternwarte
Foto Erwin Quedenfeld 1911
Andreaskirche und Stadthaus, ehem. Jesuitenkolleg, auf dem Dach die Sternwarte, Foto Julius Söhn 1911

1843 verlegt Johann Friedrich Benzenberg die Sternwarte wegen des steten Wachstums der Stadt mit all ihren Störungen nach Bilk. [Düsseldorfer Heimatblätter Heft 10 S 192 XVIII. Jg] Die Sternwarte an der Mühlenstraße hatte die preußische Verwaltung in den ca. 1830er Jahren „preisgegeben“. Der Dachaufsatz bleibt aber bis etwa 1953 erhalten.

Düsseldorf auf dem Weg zur Kulturmetropole
Düsseldorf bemühte sich erfolgreich im aus­ge­hen­den 17. und be­gin­nen­den 18. Jahr­hun­derts zu einer eu­ro­päi­schen Kul­tur­me­tro­po­le aufzusteigen. So trug hierzu z.B. die Gemahlin von Jan Wellem ( mir der offiziellen Benennung „pfäl­zi­scher Kur­fürs­t Johann Wilhelm“) An­na Ma­ria de Me­di­ci ma­ß­geb­lich bei. In der Folge entstand früh die Kunstakademie, es entstand die Düsseldorfer Malerschule. Es gab aber keine Akademie oder Universität oder später ein Kaiser-Wilhelm-Institut, das sich den Naturwissenschaften gewidmet hätte. So fehlte auch völlig die Basis für den Bau einer Sternwarte, der  von fürstlichem oder staatlichem Interesse getragen gewesen wäre.

 

NB Wir danken Frau Andrea Trudewind vom Düsselorfer Stadtarchiv für die erfolgreiche Suche nach Bildern zu den Zeitabschnitten Altstadt – Bilk –  Benrath. Man kann keineswegs alles mit Google im Internet finden!