Beobachtungsbücher

Wir haben die Beobachtungsbücher, die die vielen Jahre nächtlicher Beobachtungen zahlloser Benrather (…) Schüler in der Sternwarte im Schlosspark dokumentieren, beim Aufräumen in der Hospitalstraße 2019 gefunden. Bernd Koch (der auch schon nachts als Schüler im Schlosspark am Spiegelteleskop oder Coudé stand) hat sie 2019/2020 in mühevoller Arbeit am Flachbett-Scanner digitalisiert. Dafür ganz großen Dank!
Hier ein paar Beispiele:

Die Beobachtungsbücher sind im Folgenden – den Zeitraum von 1964 bis 1993 nahezu lückenlos dokumentierend – als PDFs zugreifbar.

Nordstation

15.12.1964 bis 29.1.1967 Heft 1
13.2.1967 bis 21.4.1970 Heft 2
28.4.1970 bis 2.1.1973 Heft 3
12.1.1973 bis 30.12.1973
1.1.1974 bis 24.6.1974
28.6.1974 bis 21.12.1974
22.12.1974 bis 24.6.1975
25.6.1975 bis 27.2.1976
27.2.1976 bis 29.10.1976
31.10.1976 bis 31.1.1978
31.1.1978 bis 7.9.1978
8.9.1978 bis 17.12.1978
17.12.1978 bis 29.9.1979
30.9.1979 bis 30.10.1980
31.10.1980 bis 9.7.1982
10.7.1982 bis 25.4.1984
25.4.1984 bis 8.5.1986

Mittelstation
13.4.1968 bis 13.5.1969 Heft 1
14.5.1969 bis 9.12.1969 Heft 2
10.12.1969 bis 18.7.1970 Heft 3
20.7.1970 bis 21.9.1971 Heft 4
26.9.1971 bis 14.11.1972 Heft 5
15.11.1972 bis 15.9.1973
22.9.-30.12.73; 20.12.74-21.6.75
1.1.1974 bis 4.4.1974
5.4.1974 bis 24.6.1974
1.7.1974 bis 20.12.1974
25.6.1975 bis 8.5.1976
8.5.1976 bis 15.2.1978
16.2.1978 bis 19.6.1979
23.6.1979 bis 12.5.1980

10.9.1981 bis 15.8.1982

20.8.1982 bis15.8.1983
16.8.1983 bis 6.4.1984
7.4.1984 bis 29.9.1984
30.9.1984 bis 10.3.1985
10.3.1985 bis 25.8.1985
27.8.1985 bis 31.7.1986
1.8.1986 bis 1.9.1987

15.6.1988 bis 17.10.1989

Südstation

21.9.1966 bis 4.6.1967 Heft 1
31.5.1967 bis 22.11.1967 Heft 2
24.11.1967 bis 19.8.1968 Heft 3
19.8.1968 bis 19.8.1969 Heft 4
19.8.1969 bis 27.12.1970 Heft 5
6.1.1971 bis 2.1.1973 Heft 6
5.1.1973 bis 29.12.1973
1.1.1974 bis 15.6.1974
7.7.1974 bis 21.12.1974
23.12.1974 bis 7.6.1975
4.8.1975 bis 21.11.1976
24.11.1976 bis 7.3.1977
11.3.1977 bis 9.12.1978
6.1.1979 bis 28.10.1980
24.10.1982 bis 1.6.1985
2.6.1985 bis 10.2.1987
25.2.1987 bis 1.6.1988
13.6.1988 bis 15.3.1989
18.3.1989 bis 21.2.1990
6.12.1990 bis 16.5.1993

weitere Protokoll-Bücher
Anmerkung: Wieso verfügte die Sternwarte 1964 schon über einen Telefonanschluss?  Grund war, dass die mechanischen, aufzuziehenden Armbanduhren, über die der Schüler spätestens seit der Kommunion verfügte, gerne „nach dem Mond gingen“, also durchaus 1 bis 3 Minuten pro Tag vor- oder nachgingen. Das war zu ungenau für eine genaue Ortsbestimmung der Himmelskörper. Das Telefon war von Dr. Alt also damit gegenüber der Stadt, die die Kosten übernahm, legitimiert, dass man sich dann hier die korrekte Zeit bei der Post erfragen konnte. Der Wandapparat wurde tatsächlich auch vornehmlich dazu genutzt, die Zeitansage anzurufen!

Telefon-Gespräche Station Nord
29.1.1967 bis 28.2.1977
5.3.1977 bis 19.5.1989

Uhren-Kontrollheft
17.1.1965 bis 12.5.1978

Benutzung Nordturm Orangerie
Hier, im Nordturm der Toreinfahrt zur Orangerie, war die komplette Werkstatt zum Spiegelschleifen für den Selbstbau von Spiegelteleskopen eingerichtet.
22.12.1969 bis 27.11.1975

Fotos von/in der Sternwarte

von Roland Sommer

von Viktor Zohm 1967_68 (Abi 69)
Gebäude, Geräte und Dr. Alt

Anleitung zum Selbstbau eines Teleskops

 

von Stefan Korth 1985_86 (Abi)
Gebäude:

Geräte:

 

Aufnahmen von Bernhard Schürkmann (Abi 74) 1974

Kamera:

Bradfield-Komet

Mond

Saturn

Saturn Coude 10-mm-Okular

 

 

Ringen um einen Sternwarten-Neubau

Bilk
Mit großem Engagement setzen sich die „Bilker Heimatfreunde e.V.“ mit ihrem Präsidenten Hermann Smeets und die im März 1959 gegründete „Benzenberg- Gesellschaft“ auch mit Hermann Smeets als 1. Vorsitzenden dafür ein, dass die Tradition der Bilker Sternwarte fortgeführt wird und in Erinnerung an den Gründer Benzenberg die Stadt Düsseldorf eine neue Benzenberg-Sternwarte errichtet. Als Standort wird vorgeschlagen die ehemalige Freilichtbühne am Räuscherweg (an der auch schon Gustav Gründgens spielte) unmittelbar südlich des heutigen Südrings. In der Planung kommt auch noch der Gedanke auf, den Bau der Sternwarte mit dem Bau eines Planetariums zu verbinden.
Wenn auch ohne Observatorium bringt die Benzenberg-Gesellschaft mit vielen Vorträgen Leben in die Düsseldorfer astronomische Öffentlichkeit.

Benrath
Der Gründer des Naturkundlichen Heimatmuseums (gegründet 1929, heute „Naturkundemuseum“) im westlichen Flügelbau des Benrather Schlosses, Studienrat Dr. Heinrich Opladen, unterstützt die Absicht, favorisiert aber Benrath.
<* noch klären, wieso sich Benrath durchsetzen konnte *>

Die Konzeption als wissenschaftliche Sternwarte wird nicht ernsthaft verfolgt. Die lichttechnischen Beobachtungsbedingungen wären doch zu schlecht gewesen und es gab keine Hochschule, an die sie hätte angebunden werden können. Zuletzt stehen noch gegeneinander die Idee einer reinen Schulsternwarte am Schloß-Gymnasium, für die auch eine ausreichende Nutzung erwartet wird, oder die einer Schul- und Volkssternwarte für ganz Düsseldorf. Wohl auch, um späterem Drängen, doch noch eine Volkssternwarte in Bilk zu errichten, die Grundlage zu entziehen, beschließt die Stadt den Status „Volks- und Schulsternwarte“.

Bau
Im April 1959 (Beschluss der Stadt Düsseldorf) Neubeginn der „Benzenberg-Sternwarte“ als Volks- und Schulsternwarte am Benrather Schloß-Gymnasium.
Fertigstellung der 3 Pavillons („Station Nord, Station Mitte, Station Süd“) mit flachen Schiebedächern 1964  <* verifizieren *>in der Nähe der Orangerie. Mit genutzt wird noch der Nordturm  an der Einfahrt zur Orangerie zum Spiegelschleifen.

Dr. Wilhelm Alt baut alle Tätigkeiten an der Sternwarte auf und leitet sie bis ??.

Nutzung
Gemäß der Planungsbezeichnung „Volks- und Schulsternwarte“ steht sie der Volkshochschule zur Verfügung, an einem Abend in der Woche der AVD (Astronomische Vereinigung Düsseldorf) . Ansonsten beobachten hier Schüler aller Schulen Düsseldorfs, überwiegend der räumliche Nähe wegen Schüler des Schloß-Gymnasiums. Da dieses (noch) ein Jungen-Gymnasium ist, sind die Beobachter tatsächlich ganz überwiegend männlich, nur sehr vereinzelt finden Mädchen den Weg in den tiefen Düsseldorfer Süden. Aber auch Schüler aus Monheim sind aktive Beobachter.
Für die Öffentlichkeit wird angeboten, dass die Sternwarte an jedem klaren Abend geöffnet sei. Die personelle Ausstattung, ausschließlich bestehend aus dem Physiklehrer Dr. Wilhelm Alt, der sämtliche Aktivitäten neben seinem normalen Lehrerberuf als Mathematik- und Physik-Lehrer des Schloß-Gymnasiums ehrenamtlich betreibt, unterstützt von Dr. Hans Körschgen, auch Lehrer für Physik und Mathematik am Schloß, setzt aber enge Grenzen, so dass diese Abende von älteren Schülern (die auch einen Schlüssel zu den 3 Gebäuden haben) angeleitet werden.
Die Benzenberg-Sternwarte wird in der Presse als größte Schulsternwarte Deutschlands bezeichnet.

Arbeiten
In den Astro-Ags für alle Düsseldorfer Schulen, vor allem auch von Schloß-Schülern besucht:

  • Selbstbau von Spiegel-Teleskopen. Das erforderliche Spiegel-Schleifen erfolgt zuerst im Keller des Benrather Krankenhauses, dann im Torhaus der Orangerie
  • intensive Astro-Fotografie und rechnerische Auswertungen: Astrometrie, Photogrammetrie
  • visuelle Beobachtungen <* ausführlicher dokumentieren *>

Schließung und Abbruch
Um mit dem Benrather Schlosspark an der „Regionale“ EUROGA 2002plus von April 2002 bis Oktober 2003 teilnehmen zu können, beschließt die Stadt Düsseldorf mit der „Stiftung Schloss und Park Benrath“, den Park umfassend zu restaurieren und das Gartenamt stellt am 10.4.2000 die Pläne – ohne Sternwarte – vor. Im Zuge der hierzu vorher zu realisierenden Rückverwandlung des Parks in einen älteren Zustand muss die 1959-64 errichtete Sternwarte als historisch unpassend (und baulich marode) weichen und wird 2001 abgerissen.
Zwei Jahre später wird der Park als herausragendes Beispiel in die „Straße der Gartenkunst an Rhein und Maas“ aufgenommen.