zu den Menschen in Bilk

Johann Friedrich Benzenberg
Astronom und Physiker, Geodät

5. Mai 1777 in (Wuppertal-)Schöller in nächster Nähe zur Düssel-Quelle als Sohn eines Pfarrers geboren. Studien u.a. in Marburg und Göttingen bei Georg Christoph Lichtenberg, in Duisburg, Promotion über ein astronomisches Thema.
1805 Ernennung durch den Kurfürsten von Bayern zum Professor für Physik und Astronomie am Lyzeum in Düsseldorf  (hieß zuvor Düsseldorfer Jesuitenkolleg und Kurfürstliches Gymnasium; später Königliches Katholisches Gymnasium, Königliches Gymnasium Düsseldorf, Königliches Hohenzollern-Gymnasium, Staatliches Hohenzollern-Gymnasium, Staatliches von-Reichenau-Gymnasium, Staatliches Hohenzollern-Gymnasium, Görres-Gymnasium).
B. begründet Schule für Landvermesser und arbeitet für das Katasterwesen in Bayern.

1802 Nachweis der Erddrehung im Hamburger Michel und 1803 auf der Zeche Trappe (50 Jahre vor Foucault ! ) mit einem Versuch über das Gesetz des Falles, den Widerstand der Luft und die Umdrehung der Erde, dessen Ergebnisse er mit Carl Friedrich Gauss diskutiert.
B. prägte das im 19. Jh bekannte geflügelte Wort „Zahlen entscheiden!“.

Er kauft sich mit der Erschließung der Carlstadt 1808 ein Haus in der Breite Straße, baut es mit einem Türmchen für seine astronomischen Instrumente. aus und verkauft es später. Die Herrschaft Napoleons über den Niederrhein lässt ihn 1810 in die Schweiz umsiedeln, später geht er nach Paris. B. publiziert viel über Physik, aber auch über verfassungspolitische und volkswirtschaftliche Fragen. 1815 kehrt er wieder nach Düsseldorf zurück.
https://de.wikisource.org/wiki/Johann_Friedrich_Benzenberg

In Düsseldorf gab es eine kleine Sternwarte auf dem Dach des Jesuitenkollegs (später Jesuitengymnasium) an der Mühlenstraße 31. Diese wurde schon von dem Jesuiten Ferdinand Orban (Beichtvater bei Kurfürst Johann Wilhelm 1703–1716) genutzt. Von hier aus beobachtet auch B. anfangs. 1826 kauft er ein Haus auf der Hohe Straße in Düsseldorf. Die Sternwarte an der Mühlenstraße hat die preußische Verwaltung, deren Regierungskanzlei das Gebäude inzwischen ist, preisgegeben und B. erwirbt später ein Landgut in D-Bilk und errichtet hier 1843 eine private Sternwarte, die er nach seiner verstorbenen Ehefrau Johanna Charlotte Platzhoff (1789–1809) „Charlottenruhe“ benennt. B. führt hier in Bilk selbst Himmelsbeobachtungen durch, bis er am 7. Juni 1846 stirbt und auf dem Golzheimer Friedhof beigesetzt wird. . Bei seinem Tode vermachte er der Stadt Düsseldorf auch eine Summe von 5000 Talern, deren Zinsen für die Besoldung eines Astronomen an seiner Sternwarte verwendet werden sollten.

an der Bilker Sternwarte arbeiten

mit Johann Friedrich Benzenberg
ab 1843 als Assistent Johann Friedrich Julius Schmidt

ab 1847 als LeiteFranz Friedrich Erbst Brünnow, geht 1851 an die Berliner Sternwarte

ab 1851 als Leiter Karl Theodor Robert Luther, (Gehalt des Düsseldorfer Gemeinderats 200 Taler jährlich), führt insbesondere Positionsbestimmungen von Planeten und Asteroiden durch. Am 17. April 1852 entdeckt er den Asteroiden (17) Thetis. In den folgenden drei Jahren entdeckt Luther die Asteroiden (26) Proserpina, (28) Bellona und (35) Leukothea. Am 20. Februar 1890 wird mit (288) Glauke der letzte Asteroid von Düsseldorf aus entdeckt. Insgesamt waren es 24, in der angelsächsischen Literatur als „24 Düsseldorfer Planeten“ bezeichnet, in der heutigen Sprache sind es Planetoiden oder Asteroiden (manchmal auch Kleinstplaneten genannt).
1854 bis 1857 überarbeitet Luther auch einen Sternenkatalog für die Berliner Königliche Akademie der Wissenschaften.

Pariser Gedenkmedaille anlässlich des hundertsten Asteroiden 1868/69 in der Pariser Münze im Auftrag Napoleons III. geprägt. Neben Hermann Goldschmidt und John Russel Hind, zwei anderen Mehrfachentdeckern, ist rechts Robert Luther abgebildet.

„Neulich wollte ich hier auf die Sternwarte gehen mit einem Bekannten und gedachte plötzlich dabei jenes Sternguckers in Düsseldorf, welcher auch in den Kneipen dabei war und seither immer so kleine Planeten ausspürt, der Narr, ich glaube, Lutter hieß er; sonst hatte ich ihn gänzlich vergessen.“
Gottfried Keller an Ferdinand Freiligrath, Briefwechsel im Oktober 1855

ab 1900 als Leiter der Sohn Wilhelm Luther, zuvor an den Sternwarten Bonn und Hamburg

Heute steht das alte Teleskop ausgeglüht unmittelbar vor Alt St. Martin als Denkmal für die drei Forscher, die einst die Bilker Warte in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannt machten: Johann Friedrich Benzenberg, Robert Luther und sein Sohn Wilhelm Luther. Dabei war Benzenberg der Gründer der Sternwarte, Robert Luther der Entdecker der zahlreichen Planetoiden, der Sohn Wilhelm führte die Messungen akribisch fort.

zu den Menschen in Bilk nach dem 2. Weltkrieg
Mit großem Engagement setzt sich Hermann Smeets als Präsident der „Bilker Heimatfreunde e.V.“ und als 1. Vorsitzender der im März 1959 gegründeten Benzenberg-Gesellschaft für einen Sternwarten-Neubau in Düsseldorf ein. Wenn auch ohne Observatorium, bringt die Benzenberg-Gesellschaft mit vielen Vorträgen Leben in die Düsseldorfer Astronomie-Öffentlichkeit.

 

Sternwarte im Benrather Schlosspark

Motor bei der Gründung: Dr. Heinrich Opladen
Der Gründer des Naturkundliches Heimatmuseums (1929) im Benrather Schloss, Studienrat Dr. Heinrich Opladen, der nach dem Krieg auch den Wiederaufbau des Museums durchführt, unterstützt die Absicht eines Sternwarten-Neubaus in Düsseldorf. Es gelingt ihm, als Standort den Benrather Schlosspark durchzusetzen.

Aufbau der Sternwarte im Schlosspark durch Dr. Wilhelm Alt
Studienrat Dr. Wilhelm Alt (27. August 1909 – ?? ) wird auf eigenen Wunsch im Mai 1958 an das Benrather Schloß-Gymnasium versetzt, um dort eine Sternwarte für alle Düsseldorfer Schulen aufzubauen. Im Ostflügel des Schlosses bietet er mit Dr. Hans Körschgen Astronomiekurse zur Sternenbeobachtung an.

Vita von Dr. Wilhelm Alt
27. August 1909 Wilhelm (Willi) Alt geboren in Heltersberg (Pfalz, bei Kaiserslautern) als Sohn des Oberlehrers Wilhelm Alt und seiner Frau Elisabeth, geb. Weissmann
1914 – 1930  (Angabe des Sohns) Volksschule und Oberrealschule in Kaiserslautern
als 15-jähriger sammelt er Zeitungsartikel
– Mondfinsternisse
– Mars-Opposition/Erdnähe
– „Ein neues Weltall gefunden“ 1 Mill. Lichtjahre entfernte Galaxis
– 100-Zoll Teleskop am Mount Wilson

1930 Studium Mathematik, Physik, Astronomie an der Ludwigs-Maximilan-Universität München; u.a. Praktikum an der Sternwarte Bogenhausen
1931 Weiterführung an der Julius-Maximilian-Universität Würzburg
(Alte Sternwarte auf dem Neubauturm und neue Sternwarte mit 200-mm Refraktor und 6 m drehbarer Kuppel am Sanderring)
1936 Staatsexamen für das Höhere Lehramt (Prüfung in Mathematik und Physik)
Studienreferendar an der Oberrealschule Würzburg


1937 Promotion zum Dr. sc. nat. mit der Inaugural Dissertation „Die Liouvill’schen Kurvensysteme und die rhombisch-geodätischen Netze“ am Physikalischen Institut Würzburg (Karl Friedrich Freiherr von Weizsäcker (seit 1936), em. Max Plack (seit 1892), em. Erwin Schrödinger (seit 1921))
1937-38 Assistent Uni Würzburg (Gehalt 180 RM)
1938 mit Stipendium (160 RM) als Assistent an das math. Inst. Uni Berlin, Ziel Habilitation
1937 Pädagogisches Examen, Ernennung zum Stadienassessor

Uni Würzburg Hörsaal
Assistent in Würzburg 1936-37

Arbeiten und Veröffentlichungen

 

August 1944 Heirat mit Leonie Ingenerf
* 1945 Sohn Hans Wilhelm Alt, Prof. Dr.
Sohn Wolfgang Alt, Prof. M Bio
August 1945 Rückkehr aus der Gefangenschaft

März 1946 Studienassessor am (Scharnhorst-) Leibniz-Gymnasium in Düsseldorf mit den Fächern Mathematik; Physik und Biologie.
Hier baut er auch mit Schülern Fernrohre.
1953 Aufbau der eigenen Sternwarte (mit Schiebedach) in Garten seines Hauses Hilden.Aufstellung eines selbst gebauten Spiegelteleskops.

Im Mai 1958 wird Studienrat Dr. Wilhelm Alt an das Schloß-Gymnasium Benrath versetzt, um dort eine Sternwarte für alle Düsseldorfer Schulen aufzubauen. Im Ostflügel des Schlosses bietet er zusammen mit Dr.Körschgen Astronomiekurse mit Sternbeobachtungen an.
April 1959 Im Nord-Turm der Orangerie werden Werkstätten zum Spiegelschleifen und Fernrohrbau eingerichtet. Im Schlosspark wenn Sonnen- und Sternbeobachtungen durchgeführt. Die Astronomiekurse (Astrophysik und Kosmologie) finden regelmäßig dienstags (für Anfänger) und freitags (für Fortgeschrittene) statt .

Im April 1959 (Beschluss der Stadt Düsseldorf) Neubeginn der „Benzenberg-Sternwarte“ als Volks- und Schulsternwarte am Benrather Schloß-Gymnasium. Fertigstellung 1964. <* verifizieren *>

Dr. Alt baut alle Tätigkeiten an der Sternwarte auf und leitet sie bis ??.

Sterne und Weltraum   1964 -07  
„Positionsbestimmungen mit einfachen apparativen Mitteln“

Syrtis Major Planitia

Zeichnung Mars  Ebene Große Syrte, Zentralmeridian 286° W

 

 

 

 


Die Benzenberg-Sternwarte wird als größte Schulsternwarte Deutschlands bezeichnet.

1973 Umzug von Dr. Alt nach Solingen-Gräfrath, dort Aufbau einer neuen kleinen Beobachtungsstation.

Ca. 1973 Beginn des Astronomieunterrichts (als eigenes Fach), dazu hat er im Alter von 63 Jahren noch das zweite Staatsexamen Astronomie nachgeholt

 

Stundendeputat am Schloß-Gymnasium 1971-72

 

Beobachtungsbücher aus den 3 Stationen
Liste der erhaltenen Hefte

 

 

 

 

 

Aufnahmen von Viktor Zohm 1967-68  –  Arbeiten mit den Instrumenten

Hans-Joachim Claas – Nachfolger von Dr. Alt
Die Leitung der Sternwarte im Schlosspark geht danach über an Hans-Joachim Claas.

Nutzung der Sternwarte seit 2003

Der Leiter ist von 2003 bis  ?? Werner Warland.
Dr. Valentin Sgibnev folgt bis 31.7.2019
Seit 1.8.2019 ist Claudia Scheffler die Leiterin der Benzenberg-Sternwarte

Aktuell gibt es als
regelmäßige Veranstaltungen

  • 2 Astro-Ags
  • einen Astrophysik-Projekturs in der Gymnasialen Oberstufe mit der Astrophysikern Dr. Lisa Zimmermann und
  • regelmäßig schulformübergreifend Tage und Abende mit Grundschülern, die „Sternstündchen“, bei denen auch der Physiklehrer Max Metelmann unterstützt.

Und bei aktuellen Anlässen wie partieller Mondfinsternis, der guten Sichtbarkeit von Jupiter und Saturn oder dem Merkurtransit u.ä.
wird die Sternwarte auch für die Öffentlichkeit geöffnet.

 

Fotos von Manos Meisen

Fotos erstellt nach Abschluss der Bauarbeiten von Manos Meisen, Aufnahmezeitpunkt 2002, zur  „blauen Stunde“.

Sternwarte von Süden, geschlossen
Sternwarte von Süden, geöffnet
Sternwarte von Nordosten
Sternwarte von Osten
Seminarraum

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Manos Meisen
http://manosmeisen.de