Niedergang und Untergang

Niedergang
1938 hebt die Stadt die Stiftung auf, die Gelder würden nicht mehr zum Betrieb reichen, und überführt das Stiftungsvermögen in städtischen Besitz. Das Gelände wird für andere Nutzung freigegeben, nach dem Krieg wird hier eine Limonadenabfüllung entstehen.


Zerstörung
Am Pfingstsamstag, dem 12. Juni 1943, fallen ab 1:15 Uhr in 80 Minuten 225.000 Brandbomben der britischen Royal Air Force auf Düsseldorf. Laut Zeugen kocht der Asphalt und fließt in die Gullys, 9000 Häuser brennen aus, 1200 Menschen sterben. In der Nacht brennt die Bilker Sternwarte nieder. Zerstört werden auch die Tonhalle, Schloss Jägerhof, das Schauspielhaus, das Polizeipräsidium und der Hauptbahnhof.
Diesen Luftangriff erwähnte der britische Premierminister Winston Churchill ausdrücklich  die in einer Rede, die er am 30. Juni 1943 anlässlich der Verleihung der Londoner Ehrenbürgerwürde hielt. Er habe die Überlegenheit der britischen Luftwaffe schlagend vor Augen geführt.

https://www.wz.de/specials/nrw/duesseldorf/pfingstangriff-bomber-legen-duesseldorf-in-schutt-und-asche_aid-29953351

Überrest des Teleskops 1949, nach der Bombardierung 1943, Foto Andermann 1949

Zweiter Standort – Düsseldorf Bilk – 1843-1943

Sternwarte Bilk“ oder „Sternwarte Charlottenruhe„, auch „Düsseldorfer Sternwarte“

Bau
Mit 66 Jahren erfüllt sich Johann Friedrich Benzenberg 1843 den Traum einer eigenen Sternwarte durch Erwerb eines Landguts in Bilk. In Erinnerung an seine früh verstorbene Frau nennt er sie „Charlottenruhe“.

Sternwarte Charlottenruhe um 1910

Die wichtigsten Instrumente und Geräte kauft er aus seinem privaten Vermögen. Hauptinstrument ist ein Refraktor mit 1,8 m Brennweite.

Bilker Sternwarte an der Martinstr. 99, F Erna Hehmke-Winterer um 1930

Noch bevor er sein eigens für diese Sternwarte bestelltes großes Fernrohr aufstellen kann, verstirbt J.F. Benzenberg am 8. Juni 1846. Er vermacht die Sternwarte der Stadt zusammen mit Stiftungsvermögen und der Auflage, einen Astronomen einzustellen. Die Stadt nimmt das Erbe an, 1846 geht die Sternwarte an der Martinstraße 99 in den Besitz der Stadt Düsseldorf über.

Stadtplan Düsseldorf kleine Ausgabe 1904, die Sternwarte ist am unteren Kartenrand rechts des „D“
Stadtplan Düsseldorf 1909 Ritz Landkarten

Nutzung
Seit Beginn ist die Bilker Sternwarte in der wissenschaftlichen Welt (als eine von 18 in Preußen) in hohem Maße anerkannt. Insbesondere bei den „Planetenjägern“ auf der Suche nach Kleinplaneten hält sie viele Jahre in der Weltspitze mit. In dieser großen Zeit der Planetoidenjagd zwischen 1852 in 1890 werden 24 Kleinstplaneten erstmalig von Bilk aus gesichtet, 7 davon heißen „die Düsseldorfer Planeten.“

Denkmal Martinstraße, Erinnerungen

Denkmal Martinstraße

Bilk Denkmal vor Alt St. Martin Foto Manfred Heise

Der ausgeglühte Körper des Fernrohres steht heute als Denkmal vor dem Westturm von Alt St. Martin. Wenn man durch das Rohr des Teleskops sah, erblickte man den Wetterhahn auf dem Kirchturm. Nach einer Reparatur ist das Teleskop jetzt etwas verpeilt und hat eine Kappe bekommen.

Bilk Denkmal Durchblick 2009

heutige Erinnerungen an die Sternwarte Bilk

Das Denkmal

und z.B. die Straßenbezeichnungen in Bilk: Benzenbergstraße, Robert-Luther-Straße, Merkurstraße, Neptunstraße, Planetenstraße und Sternwartstraße.
Die Zeitschrift des Bilker Heimatvereins eV heißt „Bilker Sternwarte“
Und ein 1967 entdeckter Asteroid „4425“ wurde mit „Bilk“ benannt.
https://www.minorplanetcenter.net/iau/lists/MPNames.html#B

Bilk Denkmal Tafel Benzenberg, Foto Manfred Heise 2019
Bilk Denkmal Tafel Bombenangriff,  Foto Manfred Heise 2019