1. an der Mühlenstraße

Düsseldorfs erster Astronom: Pater Ferdinand Orban
Jesuit und Sammler

Die ersten astronomischen Beobachtungen in Düsseldorf erfolgten von einer kleinen Sternwarte auf dem Dach des Jesuitenkollegs (später Jesuitengymnasium) an der Mühlenstraße 31 aus.  Diese wurde zuerst von dem Jesuiten Ferdinand Orban (Beichtvater bei Kurfürst Johann Wilhelm 1703–1716) genutzt.

Medaille v. Giorgio Rapparini: v.l. Giovanni Pico de la Mirandola (1463-1494),
Virginius Cesarinus (1595-1624),
P. Ferdinand Orban SJ

Ferdinand Orban, SJ,  wurde am 6. oder 16. Mai 1655 bei Landshut  geboren. Er studierte am Jesuitenkolleg in Ingolstadt von 1675 bis 1678 Logik und Metaphysik, später Theologie. Er war Jesuit, deshalb der Namenszusatz SJ für Societas Jesu. 1688 wurde er Professor der Mathematik in Innsbruck. Hier begann er auch mit dem Aufbau einer Kunst- und Naturaliensammlung. Er hatte wohl beträchtliche Probleme mit seinen Ordensoberen,  so habe er seine Sammlung vornehmen Frauen in seinem Zimmer eine Stunde lang und länger gezeigt. Und ein Jesuit legt ein Gelübde ab, auf Privateigentum zu verzichten. Orban aber stiftete später einmal 60.000 Gulden. Jedenfalls wurde er jeweils nach wenigen Jahren von einer Stadt in eine andere Stadt im Süddeutschen versetzt.
<Öl-Bild von 1722 – LMU angefragt>

Ruhiger wurde es erst, als er 1703 nach Düsseldorf kam und dort Beichtvater von Kurfürst Jan Wellem (JohannWilhelm von der Pfalz) wurde. Dieser war auch den Künsten zugeneigt, und Orban konnte eine – in der Spätrenaissance und im Barock typische – Sammlung von mathematisch-physikalischen Instrumenten, Kunsthandwerk aus dem fernen Osten (die Jesuiten missionierten dort), Textilien, Waffen, Münzen, Kleinplastiken, Steinschnitte, Gemälde, Mineralien, Muscheln und Insekten anlegen. Diese Kunst- und Raritätenkabinette zeigten die universelle Weltsicht und sollten zum Bestaunen und Bewundern der Schöpfung in ihrer ganzen Pracht und Vielfalt anregen.
Wikipedia
Vita der Uni Würzburg
Film der LMU München: 5. Dossier Orbans Wunderkammer, Markus Sattler

Aus heutiger Sicht z.B. überraschend das Geschenk an Orban (für seine Sammlung) von John Churchill, als dieser Jan Wellem in Düsseldorf besucht: die Hirnschale des Oliver Cromwell!
Orbans Interessen müssen äußert vielfältig gewesen sein. Die Nähe zur Astronomie zeigte sich in der Nutzung der Sternwarte an der Mühlenstraße, aber auch in zahlreichen astronomischen Geräten, die er für seine Sammlung erwarb.
<jpg  Armillarsphäre LMU angefragt>

Nur ein Gerät ist erhalten, eine Armillarsphäre, ein Gerät zur Darstellung der Bewegung von Himmelskörpern. Sie ist – natürlich noch geozentrisch – von Christoph Schißler d.Ä. 1569 konstruiert und steht in der „Kunst- und Wunderkammer“ auf Burg Trausnitz, Landshut, Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums.

Nach Orbans Tod 1732 und der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 gingen viele Teile seiner Kunst- und Wunderkammer verloren. Die Ludwig-Maximilians-Universität in München wurde Eigentümerin des Meisten, das erhalten blieb. Sammlungen wurden jetzt strukturiert nach wissenschaftlichen Fachgebieten aufgebaut.

In Düsseldorf blieb Pater Orban bis zu Jan Wellems Tod 1716. Zu dessen Begräbnis schrieb und hielt er eine 60-seitige Leichenrede zur Würdigung des verstorbenen Kurfürsten

Orban Begräbnisrede Jan Wellem
(Heidelberger Ausgabe)

mit folgendem Titel:
Horoscopus Herculis Palatini Per Virtutes Et Labores Ad Astra Translati

Daß ist:
Tugent= und Lebens=Wandel Joannis Wilhelmi Pfaltzgraffen bey Rhein / Des Heil. Röm. Reich Ertz=Truchsessen und Churfürsten/ in Bäyern / zu Gülich / Cleve und Berg Her=zogen / Fürsten zu Mörß / Grafen zu Veldenz / Spon=heimb / der Mark und Ravensperg / Her zu Ravenstein / u. u.
Auffgesetzt und vorgetragen
In dessen höch-traurigen mit gröster Solemnität begangener Leich-Begräbnuß ersten Tags Durch R.P. Ferdinandum Orban S. J. Weylandt der Chur=Fürstl. Durchl. Beicht=Vatteren / den 5. Augusti Anno 1716. in der Residentz=Statt Düsseldorff.

Orban Begräbnisrede Jan Wellem Titelseite

Wer die Rede nachlesen möchte: Sie liegt digitalisiert auch in der Düsseldorfer Uni-Bibliothek vor.  Es erwartet einen aber eine wilde Mischung aus lateinischen und deutschen Wörtern und Wendungen. Das war den gebildeten Kirchenkreisen Anfang des 18. Jh. aber nicht unvertraut.

Wir danken für die erfolgreiche Spurensuche zu Pater Orban dem Historiker Winfried Falter aus Bergisch-Gladbach!

Altes Regierungsgebäude an der Mühlenstraße mit Sternwarte, Foto Erwin Quedenfeld 1911

Hier in der Sternwarte Orbans in der Altstadt an der Mühlenstraße auf dem Dach des ehemaligen Jesuitenkollges hat auch später Johann Friedrich Benzenberg (s. umfangreiche Darstellung unter „2. in Bilk an der Charlottenruhe“) beobachtet, bis er ab 1808 von seinem neu gekauften Haus an der Breite Str. aus arbeitete.